03.01.2017

Bienen-Studie 2017: Besser Stadt als Land

Die Forschung, ob es den Honig-Bienen in der Stadt und in stadtnahen Gebieten besser geht, steht erst am Anfang. Doch zeigen erste Forschungsergebnisse, die in einer Auftragsstudie der grünen Bundestagsfraktion zusammengefasst werden, einen Trend: Eine vergleichende Gegenüberstellung der Standorte „Stadt“ und „Land“ ergibt für die Gesundheit der Honigbiene die „Stadt“ als geeigneteren Standort. Zwei Gründe sind hier maßgeblich: Das abwechslungsreiche und kontinuierliche Blütenangebot in der Stadt und stadtnahen Gebieten, als auch der deutlich verminderte Pestizideinsatz.

Die intensive Landwirtschaft wirkt sich auf vielfältige Weise negativ auf das Leben der Bienen aus. Großflächige Monokulturen schränken die Biene bei ihren rund vier Kilometer großen Radius während der Nahrungssuche ein. Streifen mit blühenden Büschen und Bäumen wurden in den letzten Jahrzehnten immer stärker auf Kosten noch größerer Felder zurück gedrängt. Eine starke Düngung der Wiesen mit Gülle hat zu einem Rückgang von Wildblumen geführt. Auch bieten Pollen und Nektar in landwirtschaftlichen genutzten Gebieten oftmals keine gleichmäßige qualitativ und quantitativ hochwertige Nahrungsgrundlage. Wenn Raps und Sonnenblumen auf den Feldern blühen, ist das Nahrungsangebot für die Bienen ausreichend. Diese Blüte dauert aber nur wenige Wochen und nicht in allen Regionen werden diese Kulturen angebaut. Die übrige Zeit ist das Pollen- und Nektarangebot oftmals nicht ausreichend und die Bienen haben es schwer ihre tägliche Nahrung zusammenzutragen.

LANDBIENEN FINDEN WENIGER NAHRUNG

Dies macht sich auch in den unterschiedlichen Honigerträgen von Stadt- und Landbienen deutlich. In einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt des Institutes für Bienenkunde in Celle produzierten die Stadtbienen in Hamburg mehr als doppelt so viel Honig, wie die Vergleichsvölker, die in stark landwirtschaftlich genutzten Flächen aufgestellt wurden.

Die Menge und die Abwechslung bei den Blüten beziehungsweise Pollen haben aber großen Einfluss auf die Konstitution und Gesundheit der Bienen. Dies ist auch ein Grund, warum sich Stadtvölker durch eine erhöhte Vitalität auszeichnen. In den Vorgärten und Parks blühen von April bis September deutlich kontinuierlicher Bäume, Büsche und Blumen. Die urban aufgestellten Honigbienenvölker sind somit im Gegensatz zu den Honigbienen der Agrarflächen in der Lage über einen längeren Zeitraum Pollen und Nektar zu sammeln.

PESTIZIDE GEFÄHRDEN DIE ÜBERLEBENSFÄHIGKEIT DER VÖLKER

Die entscheidende Rolle für die unterschiedliche Verfasstheit von Stadt- und Landbienen kommt aber offenbar dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu. Pestizide, wie die Gruppe der Neonicotinoide, führen bei Kontakt nicht zu einem unmittelbaren Bienensterben, sondern können das Volk entscheidend in ihrer Überlebensfähigkeit schwächen. Die Bienen verlieren an Orientierungs- und Kommunikationsfähigkeit und können somit weniger Blüten finden, anfliegen und entsprechend Nektar und Pollen zurück zum Nistplatz bringen. Rückstände von Pestiziden in Bienenwaben gehen zusätzlich einher mit einer stärkeren Anfälligkeit für pathogene Krankheitserreger und die Varoa-Milbe. Dies wirkt sich auf die Langlebigkeit und das Überleben der Brut aus. Zwar werden auch in Vorgärten und Parks vereinzelt Pestizide eingesetzt, aber nicht in relevanten Mengen. Entsprechend findet man in städtischen Honigproben nur selten Rückstände von Pestiziden.

Bärbel Höhn dazu: So sehr ich mich über den Trend der urbanen Imkerei freue - es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden! Jetzt geht es darum, dass deutlich weniger Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden und der Ausbau des Ökolandbaus forciert wird. Ansonsten drohen uns Verhältnisse wie in den USA oder in China, wo viele Bienenvölker kreuz und quer durchs Land gefahren oder Apfelbäume gar per Hand bestäubt werden müssen.

HIER geht es zur Bienen-Studie 2017.

 

Ein Beitrag von ZDF heute zur Studie findet sich HIER.